Am 10. April 1815 trat der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien in seine paroxysmale Ausbruchsphase ein und verursachte eine der verheerendsten Naturkatastrophen der Neuzeit. Nach mehrtägigem Grollen und einer ersten Explosion am 5. April entfesselte der Vulkan innerhalb weniger Stunden eine gewaltige Energiemenge: Pyroklastische Ströme, Aschefall, Bimssteinauswürfe und Tsunamis verwüsteten die Umgebung. Der Ausbruch enthauptete den Berg buchstäblich, sein Gipfel stürzte in eine riesige Caldera und verursachte den Tod Zehntausender Menschen auf den benachbarten Inseln, entweder direkt oder durch die darauf folgenden Hungersnöte und Krankheiten.
Eine lokale Katastrophe von beispielloser Gewalt
Der Vulkan Tambora lag jahrhundertelang inaktiv, bevor er Anfang der 1810er Jahre erwachte. Am Abend des 10. April stiegen mehrere Feuer- und Aschesäulen über dem Krater auf und vereinigten sich zu einer gigantischen Wolke, die über 40 Kilometer hoch aufstieg. Diese Wolke stürzte dann ein und löste verheerende pyroklastische Ströme aus, die die Hänge hinabflossen und Dörfer auf der Sanggar-Halbinsel zerstörten. Die Explosionen waren Hunderte, ja Tausende Kilometer entfernt zu hören, während die Asche den Himmel am helllichten Tag verdunkelte. Auf Sumbawa und Lombok wurden Ernten vernichtet, Wasser verseucht, Epidemien brachen aus, und die überlebenden Bevölkerungsgruppen irrten durch eine verwüstete Landschaft. Die genaue Zahl der Todesopfer ist weiterhin umstritten, überstieg aber bei Weitem die der meisten anderen historischen Vulkanausbrüche.
Das Jahr ohne Sommer
Der Ausbruch des Tambora verwüstete nicht nur Südostasien. Die immensen Mengen an Asche und vor allem schwefelhaltigen Aerosolen, die in die Stratosphäre geschleudert wurden, umkreisten den Globus und veränderten das Klima nachhaltig. Im Jahr 1816 erlebte die Nordhalbkugel das, was bald als „Jahr ohne Sommer“ bekannt werden sollte. In Europa und Nordamerika sanken die Temperaturen drastisch, die Niederschläge nahmen zu, Ernten fielen aus, und mitten im Sommer schneite es. Diese extremen Zustände führten zu Hungersnöten, Nahrungsmittelknappheit, Migrationen und sozialen Unruhen. Der Ausbruch des Tambora wurde somit zu einem der eindrucksvollsten Beispiele für den Einfluss eines Vulkans auf das globale Klimagleichgewicht.
Ein Vulkan, der auch in der Kunst seine Spuren hinterlässt.
Die Auswirkungen des Ausbruchs des Mount Tambora beschränken sich nicht auf demografische oder meteorologische Daten. Sie prägten auch die europäische Vorstellungskraft nachhaltig. Der Himmel, erfüllt von vulkanischem Staub in Rot- und Dämmerungstönen, soll zahlreiche Künstler, darunter den englischen Maler William Turner, inspiriert haben. Der kalte, düstere Sommer 1816, den eine Gruppe junger englischer Schriftsteller am Genfersee verbrachte, schuf eine Atmosphäre der Angst und Beklemmung, die Mary Shelley zur Entstehung von Frankenstein inspirierte. Der Ausbruch des Mount Tambora verdeutlicht mit seinem außergewöhnlichen Ausmaß, dass ein Ereignis auf einer fernen Insel Leben, Klima und sogar künstlerisches Schaffen weltweit über Monate hinweg verändern kann.
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