Bad Bunny wird Aznavours „Hier encore“ nach dem Super Bowl neu auflegen (AP)
Bad Bunny wird Aznavours „Hier encore“ nach dem Super Bowl neu auflegen (AP)

Ein kurzer Geigenfetzen, nur wenige Sekunden lang, und Charles Aznavour eroberte die amerikanische Musikszene im Sturm, als hätte er gerade eine neue Single veröffentlicht. Während der Halbzeitshow des Super Bowls am 8. Februar performte Bad Bunny „Monaco“, einen Song, der auf einem Sample von „Hier encore“ basiert. Seitdem erlebt der Song von 1964 ein spektakuläres Comeback, befeuert von der Neugier eines Publikums, das ihn zuvor nicht unbedingt kannte.

Eine Kostprobe von „Monaco“, die Aznavour zum Abheben bringt

In Monaco verwendete Bad Bunny ein Sample eines Violinen-Loops direkt aus „Hier encore“. Diese Hommage an Aznavour erhielt eine neue Dimension, als der puertoricanische Künstler sie in seine Halbzeitshow einbaute: Die Violinen erschienen auf der Leinwand, und die Referenz war sofort erkennbar. Infolgedessen stiegen die Streams von „Hier encore“ in den darauffolgenden zwei Tagen laut Spotify weltweit um 37 % und in den USA sogar um 84 %. Spotify verzeichnete zudem einen Dominoeffekt im gesamten Katalog: Aznavours Katalog wuchs um 10,9 %, wobei ein signifikanter Anteil der Hörer zwischen 25 und 34 Jahren zunahm.

Innerhalb dieser Dynamik bleibt „Hier encore“ einer der meistgestreamten Titel der Sängerin, gleich nach „La Bohème“. Diese Episode verdeutlicht vor allem die Kraft generationsübergreifender Verbindungen: Ein Klassiker, der durch die Verwendung in der zeitgenössischen Popmusik wieder in Umlauf gebracht wird, wird von Millionen neuer Hörer entdeckt – oder wiederentdeckt.

Der „Backkatalog“, ein Jackpot für Plattformen und große Labels

Dieses Comeback ist Teil eines umfassenderen Trends: der „Backkatalog“-Ökonomie – also jener Titel, die vor mehr als drei Jahren veröffentlicht wurden und heute im Streaming-Bereich eine bedeutende Rolle spielen. Laut dem französischen Verband der Tonträgerverlage (SNEP) werden 60 % der 100.000 meistgestreamten Titel im Jahr 2024 zu diesem Pool älterer Songs gehören. Fernsehserien, Werbung, soziale Medien und Großereignisse wie der Super Bowl wirken dadurch wie Karrierebeschleuniger – selbst für Songs, die Jahrzehnte alt sind.

Das Phänomen ist nicht neu. Im Dezember erlebte Claude François' „Le mal aimé“ nach einer Werbekampagne einen regelrechten Boom: Laut Sony verzwanzigfachten sich die Streamingzahlen in Frankreich innerhalb weniger Tage. Zuvor hatte Kate Bushs „Running Up That Hill“ dank Stranger Things ein massives Comeback gefeiert und sich erneut zu einem globalen Phänomen entwickelt. Diesmal profitiert Aznavour vom Hype: ein weiterer Beweis dafür, dass ein gut getimter Auftritt einen Klassiker zum Trend machen kann. Auch für Bad Bunny war der Effekt unmittelbar spürbar: Am Tag nach dem Konzert schnellten seine Streamingzahlen laut Rolling Stone in den USA um 470 % und weltweit um 210 % in die Höhe.