In den französischen Supermarktregalen schleicht sich ein neuer Eindringling ein: „kakaofreie“ Produkte, die Schokolade in Aussehen und Konsistenz nachempfunden sind, ohne jedoch Kakao zu enthalten. Die Idee entstand nicht etwa aus einem Labor, sondern ist direkt mit aktuellen Markttrends verknüpft: Der Kakaopreis erlebte Ende 2024 einen spektakulären Anstieg auf rund 12.000 US-Dollar, bevor er rapide auf einen Preisverfall um zwei Drittel fiel.
Infolgedessen versuchen Hersteller und Startups gleichermaßen, ihre Abhängigkeit von einem Rohstoff zu reduzieren, der unberechenbar geworden ist, durch den Klimawandel in Westafrika geschwächt wird und aufgrund von Abholzung und CO₂-Fußabdruck in der Kritik steht. Verbraucher hingegen konzentrieren sich vor allem auf eines: Schmeckt es nach Schokolade, ja oder nein?
Wenn sich Schokolade neu erfindet, ändert sich auch das Etikett.
Beim elsässischen Schokoladenhersteller Abtey ist das Beispiel bereits konkret: Haselnuss-Pralineier werden ohne Kakao angeboten, mit einem Überzug aus „ChoViva“, einem Präparat aus Sonnenblumenkernen, das Textur und Geschmack imitieren soll. Der Zeitpunkt ist kein Zufall; Ostern setzt die Branche jedes Jahr unter Druck, und diese Rezepte versprechen Kontinuität im Geschmack, wenn Rohstoffe knapp oder zu teuer sind.
Ein großes Hindernis bleibt jedoch bestehen: Die EU-Regel ist streng – kein Kakao, keine „Schokolade“ – was sorgfältige Kennzeichnung und Transparenz der Inhaltsstoffe erfordert. Händler testen die Produkte im Handel, die traditionelle Branche mahnt zu Vorsicht und Respekt gegenüber den Erzeugern, und der Erfolg wird von einem alles andere als trivialen Detail abhängen: Vertrauen, ein Gut, das man sich mühsam erarbeiten muss.
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