In den Ardennen hat das Leitungswasser einen üblen Beigeschmack angenommen. Sechs Gemeinden – Malandry, Milly, Ferté-sur-Chiers, Blagny, Linay und Haraucourt – haben angekündigt, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, nachdem ihre Böden mit PFAS, den sogenannten „ewigen Schadstoffen“, verseucht wurden. Im Juli spitzte sich die Lage dramatisch zu: Das Trinkwasser wurde als ungenießbar eingestuft.
Am Donnerstag wurde die Entscheidung von der Präfektur bestätigt. Ziel der Gemeinden ist es, Verantwortlichkeiten zu klären, da die Sorgen der Anwohner eng mit der Frustration gewählter Amtsträger verknüpft sind, die gezwungen sind, den Notstand zu bewältigen, ohne immer die Hintergründe zu kennen. Denn PFAS, die in verschiedenen industriellen Prozessen verwendet werden, werden nicht einfach ausgeschieden; sie haften an, setzen sich fest und hinterlassen Spuren, die sich nicht wegwaschen lassen.
Wenn Wasser zum Rechtsfall wird
Eine im Februar von France 3 Champagne-Ardenne und Disclose veröffentlichte Untersuchung legt einen möglichen Zusammenhang mit der Verbreitung von Klärschlamm aus der Papierfabrik Stenay in der Maasregion nahe. Vor Ort häufen sich die Fragen, die weniger theoretisch sind, als sie zunächst scheinen: Wer wusste Bescheid, wie lange schon, und wer hielt es für vertretbar, den Wasserhahn unbehelligt laufen zu lassen? In mehreren Gebieten wurden die PFAS-Kontrollen im Trinkwasser verstärkt – ein Zeichen dafür, dass das Problem nicht länger nur technische Berichte betrifft.
Die Bürgermeisterin von Malandry, Annick Dufils, spricht von einer „Leugnung des Umweltskandals“ und einer „Leugnung der Gesundheitsrisiken“. Sie beteuert, dass Analysen bereits seit mehreren Jahren vorliegen und hinterfragt den Zeitpunkt der Informationsweitergabe an die Gemeinden – ein Punkt, der das Vertrauen in die Institutionen grundlegend erschüttert. Die gewählte Amtsträgerin gibt an, beim Gesundheitsministerium eine epidemiologische Überwachung beantragt zu haben und berichtet von einem Bluttest im September, dessen Ergebnis ihren Angaben zufolge einen hohen PFAS-Wert aufweise.
In diesem Klima organisieren sich auch die Anwohner. Jean-Marie Pierre, ein Allgemeinmediziner aus einer Nachbarstadt, möchte die Bewohner des Kollektivs „PFAS Ardennes“ in einem departementalen Selbsthilfeverband zusammenführen, um zu verhindern, dass sich das Problem in Gerichtsverfahren verstrickt. Fünf der 13 offiziell als betroffen anerkannten Gemeinden unterliegen weiterhin einer Präfekturverordnung, die den Konsum von Leitungswasser verbietet. Diese Maßnahme beeinträchtigt den Alltag erheblich und deutet auf einen langwierigen Prozess mit Gutachten, Forderungen nach Transparenz und einem Kampf um Entschädigung hin.
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