Am Samstagmorgen bildeten sich in Saint-Pierre lange Schlangen an den Tankstellen, als wollten die Autofahrer den letzten Zug erwischen. Keine Panik, eher ein bekanntes Muster, fast schon reflexartig: die letzten Stunden vor der angekündigten Preiserhöhung am Montag, dem 20. April, auszunutzen. An der Zapfsäule kostete ein Liter zwar noch 1,32 Euro, doch alle hatten den neuen Preis bereits im Kopf – je nach Produkt eine Erhöhung zwischen 0,10 und 0,13 Euro.
In den Gesprächen an den Autos herrscht Resignation vor, manchmal auch ein Hauch von Ironie. Ein Kunde erwähnt den kürzlichen Markteintritt einer neuen Ölgesellschaft und meint, dass „über die Preise verhandelt wird“. Er merkt an, dass die Erhöhung bei Benzin (+0,13 €) deutlich stärker ausfällt als bei Heizöl (+0,10 €), dessen Kosten für Haushalte schwerer zu senken seien. Eine Fahrerin bringt die frustrierende Diskrepanz auf den Punkt: „Jede Woche wird es teurer … aber die Löhne nicht.“
Der Entschädigungsfonds, der letzte Puffer vor dem Einschlag
Der Archipel unterliegt einem System regulierter Preise, die per Präfekturverordnung auf Grundlage der Kosten für Beschaffung, Transport, Lagerung und Vertrieb angepasst werden. Daher herrscht am Tag vor einem bestimmten Datum oft ein kleiner, unauffälliger, aber dennoch spürbarer Ansturm. Die Insellage treibt die Preise in die Höhe und macht jeden Cent deutlicher spürbar – sowohl für Privathaushalte als auch für Berufstätige, die den ganzen Tag unterwegs sind: Taxifahrer, Handwerker, Transportunternehmer und Fischer.
Am Freitag, dem 17. April, erklärte Präfekt Marc Didio, dass der „Kompensationsfonds“ als Puffer diene und verhindere, dass der Anstieg der WTI-Ölpreise sofort an die Verbraucher weitergegeben werde. Ein Puffer, ja, aber kein Schutzschild: Sollten die Preise erneut und nachhaltig steigen, würden die Auswirkungen letztendlich spürbar werden, „so spät wie möglich“, abhängig vom Kontostand des Fonds, warnte er und fügte hinzu, dass die weitere Entwicklung vom Marktverhalten abhänge.
Letztendlich wiederholt sich ein bekanntes Bild: Der internationale Kontext bildet den Hintergrund, während der Alltag im Vordergrund steht. Autofahrer rechnen nach, passen ihre Routen an, tanken, wann immer es geht, und warten auf die nächste Verordnung, so wie sie vor Fahrtantritt den Wetterbericht prüfen. Eines bleibt gewiss: Solange die Energieversorgung instabil bleibt, wird Saint-Pierre-et-Miquelon im Rhythmus der leuchtenden Anzeigen an den Tankstellen leben, stets mit dem Gefühl, dass die nächste Änderung unmittelbar bevorsteht.
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