Ein über ein Jahrhundert lang verschollener Stummfilm von Georges Méliès ist in einem Familienkoffer in den USA wieder aufgetaucht. Der 45-sekündige Film mit dem Titel „Gugusse und der Automat“ aus dem Jahr 1897 wurde von einem Rentner aus Michigan in den Filmrollen seines Urgroßvaters entdeckt. Laut AFP stellt dieses uralte Werk, das von der Library of Congress restauriert und digitalisiert wurde, eine wertvolle Wiederentdeckung in der Geschichte des frühen Kinos dar.
Eine Familienentdeckung, die zu einem filmischen Schatz wurde
Die Entdeckung machte Bill McFarland, ein Amerikaner, der einen alten, in seiner Familie vererbten Koffer erwarb. Darin fand er Notizbücher, Projektoren und mehrere Rollen Nitratfilm – ein Medium, das sowohl zerbrechlich als auch entzündlich ist. Laut AFP versuchte er zunächst, die Filmrollen an einen Antiquitätenhändler zu verkaufen, bevor er sie schließlich dem National Audiovisual Preservation Center der Library of Congress in Virginia spendete.
Archivare identifizierten den Film als „Gugusse und der Automat“, einen Méliès-Film, der zwar unter diesem Titel bekannt, aber noch nie zuvor gezeigt worden war. George Willeman, Leiter der Nitratfilmsammlung der Library of Congress, erklärte gegenüber AFP, dass es sich wahrscheinlich um eine Kopie dritter Generation handele. Die Restaurierung konnte trotz des fragilen Zustands des Films – er war nach jahrzehntelanger Lagerung auf einem Dachboden, in einer Scheune oder Garage geschrumpft und teilweise eingerissen – innerhalb einer Woche abgeschlossen werden.
Ein wertvolles Zeugnis des frühen Kinos
Der Film zeigt einen bärtigen Mann, der einen Pierrot-ähnlichen Automaten steuert, der wächst, schrumpft und schließlich unter den Hammerschlägen seines Meisters verschwindet – dank für die damalige Zeit recht ausgefeilter Schnitteffekte. Jason Evans Groth, Kurator für Filmaufnahmen in der Library of Congress, erklärte gegenüber AFP, die Aufnahmen seien „für einen so alten Film bemerkenswert präzise“ und die Gags „zeitlos“. Er glaubt außerdem, es handele sich „wahrscheinlich um den ersten jemals gefilmten Auftritt eines Roboters“.
Diese Wiederentdeckung verdeutlicht, wie fragmentarisch Méliès' Werk nach wie vor ist. Laut AFP drehte der Filmemacher über 500 Filme, doch weniger als die Hälfte ist erhalten geblieben. Einige seiner Negative vernichtete er sogar selbst; das geborgene Filmmaterial wurde später im Ersten Weltkrieg verwendet. „Gugusse und der Automat“, gefunden im Nachlass eines Schaustellers aus Pennsylvania, der Filme in ländlichen Gebieten vorführte, bereichert nun das Vermächtnis eines der Pioniere des Kinos um ein wertvolles Stück.
Gemeinschaft
Bemerkungen
Die Kommentarfunktion ist geöffnet, aber vor Spam geschützt. Beiträge und Kommentare mit Links werden manuell geprüft.
Sei der Erste, der diesen Artikel kommentiert.