Michel Gondry eröffnet das Annecy Festival mit „Maya“ und einem lebendigen Plädoyer für handwerkliche Animation
Michel Gondry eröffnet das Annecy Festival mit „Maya“ und einem lebendigen Plädoyer für handwerkliche Animation

Der französische Regisseur eröffnete das Annecy Festival 2025 mit der Verleihung eines Ehrenkristalls für sein Lebenswerk und präsentierte gleichzeitig „Maya, Give Me Another Title“, seinen neuen Animationsfilm, den er gemeinsam mit seiner Tochter drehte. Eine filmische Lektion, die ebenso frei wie einfallsreich ist.

Zeichnen als Feld der Freiheit

Die Ausgabe 2025 des Internationalen Animationsfilmfestivals von Annecy wurde mit einer Welle der Kreativität und Emotionen eröffnet, mit Michel Gondry als Ehrengast. Der Filmemacher, bekannt für seine einzigartigen Werke wie „Vergiss mein nicht!“ und „Be Kind Rewind“, erhielt einen Ehrenkristall, überreicht von seinem Bruder Olivier Gondry. Diese Auszeichnung wurde mit einer beeindruckenden Filmvorführung gefeiert, in der der Regisseur seine Leidenschaft für handgefertigte Bilder unterstrich.

„Mit einer Zeichnung kann man sich alles vorstellen; es ist eine banale, aber unendliche Geste“, erklärte er auf der Bühne des Bonlieu Theatre. Gondry sprach über seine einzigartige Herangehensweise an das Filmemachen, bei der Erfindungsreichtum Vorrang vor Ressourcen hat. Er erzählte, wie er aufgrund des reduzierten Budgets für „Vergiss mein nicht!“ auf Anraten seines Co-Autors Charlie Kaufman eine komplexe Szene in einen Moment einfacher visueller Poesie verwandelte.

In einer kaum verhohlenen Kritik an Hollywood-Produktionen griff Gondry seinen einzigen Blockbuster „The Green Hornet“ an und rief ironisch das Gefühl hervor, „das Kind gewesen zu sein, das man am liebsten ins Bett schicken würde“. Der Filmemacher plädiert für einen handwerklichen Ansatz, bei dem jede Idee aus Tüftelei entsteht und Einschränkungen die Kreativität beflügeln. Er lehnt das Etikett „Nostalgiker“ ab und spricht lieber über die Wahl der Werkzeuge, äußert aber lautstark sein Misstrauen gegenüber den Exzessen digitaler Technologie und künstlicher Intelligenz.

„Maya, gib mir einen anderen Titel“: Ein poetischer Familienanimationsfilm

In diesem Geist präsentierte Gondry in Annecy seinen neuen Film „Maya, Give Me Another Title“, eine direkte Fortsetzung des Projekts „Maya, Give Me a Title“, das 2024 in die Kinos kam. Diese Reihe animierter Kurzfilme entstand aus einem engen Austausch zwischen dem Regisseur und seiner Tochter: Jeden Monat erfindet Maya einen Titel, ihr Vater macht daraus einen Film, der komplett von Hand gemacht wird.

Mit der Erzählsprache von Blanche Gardin taucht der Film in ein wimmelndes Universum ein, das zugleich surreal und kindlich ist: Beratungen in der Badewanne, Raketenmotorräder namens „Yamaya“, eine Welt, in der Bäume zu Pinseln werden … Die Produktion ist handwerklich, fast häuslich: ausgeschnittenes Papier, Collagen, handgezeichnete Cartoons – Michel Gondry beweist, dass er immer noch dieser Zauberer einfacher Gesten ist, der in der Lage ist, mit Pappstücken ganze Welten zu erfinden.

Dieser Animationsfilm, der zur Eröffnung des Festivals präsentiert wurde, begeisterte das Publikum mit seiner Zartheit, seinem Humor und seiner visuellen Erfindungsgabe. Gondry zelebriert sowohl die Vater-Tochter-Bindung als auch die Freiheit, in einer von digitalen Bildern überfluteten Welt ohne Filter und Künstlichkeit kreativ zu sein.

„Maya, Give Me Another Title“ startet am 18. Juni 2025 in den Kinos und bestätigt, dass der Filmemacher nichts von seiner Einzigartigkeit verloren hat. Zwischen einer Hommage an die Zeichnung und einer Ablehnung industrieller Formatierung beschreitet Michel Gondry weiterhin einen einzigartigen Weg, auf dem Poesie und Handwerkskunst stets Hand in Hand gehen.