Eine Einblendung warnt die Zuschauer gleich zu Beginn: Diese Geschichte ist wahr – außer für Historiker. In „Die Launen des Kinderkönigs“, ab dem 24. Juni im Kino, verarbeitet Regisseur Michel Leclerc, bekannt für „Die Namen der Liebe“ und „Die Vermischung der Genres“, die Fronde-Episode zu einer skurrilen und politischen Fabel. Im Jahr 1651, als in Frankreich ein Aufstand brodelt, beschließt Anna von Österreich (Doria Tillier), ihren 13-jährigen Sohn Ludwig, noch nicht Sonnenkönig, außer Landes zu bringen, indem sie ihn durch einen Doppelgänger ersetzen lässt. Von D’Artagnan (Franck Dubosc) Cyrano de Bergerac (Artus) anvertraut, findet sich der junge Ludwig (Niels Hamel-Brochen) in der Straßentheatergruppe von Madeleine Béjart (Julie Piaton) und Molière (Nemo Schiffman) wieder und erlebt dort zum ersten Mal ein Leben fernab des königlichen Prunks. Der Film, der außer Konkurrenz bei den Filmfestspielen von Cannes präsentiert wurde, fügt der Handlung die Bedrohung durch Marie-Louise d'Orléans (Suzanne de Baecque) hinzu, die machiavellistische Cousine des jungen Königs, die davon träumt, ihn zu heiraten, um selbst den Thron zu besteigen.
Eine bewusste Mischung der Genres, getragen von einem bemerkenswerten Schauspielertrio.
Michel Leclerc gelingt es wie gewohnt, romantische Komödie, politische Satire, Entwicklungsgeschichte und abenteuerliche Komödie zu verweben. Artus liefert eine unerwartete Interpretation von Cyrano de Bergerac, indem er die charakteristischen Merkmale der Figur beibehält (die Stacheln auf der Nase, die lyrischen Fantasien, die Schwertkämpfe) und gleichzeitig eine modernisierte Lesart bietet, die sich eher an Molière als an Frauen orientiert. Franck Dubosc verkörpert einen geistreichen D'Artagnan, der von seinem eigenen Mythos überwältigt ist und der Erzählung eine Prise Leichtigkeit verleiht. Doch Julie Piaton glänzt wahrlich als Madeleine Béjart, eine temperamentvolle und entschlossene Truppenführerin, während Nemo Schiffman einen schelmischen und libertinen Molière darstellt. Der Film scheut sich nicht vor gewissen bewussten Exzessen: derben Gags, einem intriganten Cousin, der einem Disney-Märchen würdig wäre, und einer Handlung, die historische Genauigkeit zugunsten reiner Unterhaltung bereitwillig aufgibt.
Eine politische Satire, die den Nerv unserer Zeit trifft.
Unter der unbeschwerten, komödiantischen Oberfläche des Films verbergen sich subtil mehrere zeitgenössische Kritikpunkte: eine Warnung vor Desinformation, eine Kritik an einem Wahlsystem, das vor allem den Mächtigen zugutekommt, und eine bewusste Anspielung auf die Idee einer Ehe zwischen Madeleine, einer Theaterlehrerin, und ihrem jungen königlichen Schüler. Durch das Theater, das als Raum der Freiheit dargestellt wird, in dem Worte ungehindert fließen und das Kollektiv über das Individuum steht, erwacht die Erzählung zum Leben. Der junge Monarch, der für einen goldenen Käfig bestimmt ist, entdeckt die Lebendigkeit eines Volkes, das sich selbst überlassen ist, und wählt für einen Sommer die Gesellschaft dieser reisenden Schauspieler anstelle des opulenten Ambientes von Versailles. Der Film verwebt zudem subtil feministische Themen, die sich in den drei weiblichen Figuren der Geschichte widerspiegeln – von der einsamen Anna von Österreich bis hin zu Madeleine Béjart, die in ihren Liebesbeziehungen frei ist. Eingebettet in eine ländliche Kulisse mit warmen Farbtönen, präsentiert sich „Die Launen des Kinderkönigs“ als pure Sommerunterhaltung, angetrieben von der Lust am Miteinander und einem wahren Freiheitsgefühl.
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