„Das ist Prohibition“: Ein brillantes, burleskes Juwel über Al Capone
„Das ist Prohibition“: Ein brillantes, burleskes Juwel über Al Capone

Fantastisch! „That's Prohibition“ ist ein Juwel des Avignon Off Festivals. Dieses Stück strahlt eine unnachahmliche Frische aus. Eine Freude am Schauspiel, die so kommunikativ ist, dass sie ansteckend wirkt. Von den ersten Minuten an nehmen die Schauspieler die Bühne wie einen Spielplatz in Besitz: Sie verkörpern, verändern, verwandeln und spielen vor allem mit all dem Instinkt, der Begeisterung und der Präzision, die dieses Wort impliziert. Und genau das ist Theater, das wir lieben!

Chicago, 1927: Die Prohibition mit Elan und Gelächter neu aufgelegt

Jazz dröhnt, die Stadt schwitzt über das Verbotene, hinter den Vorhängen geheimer Flüsterkneipen klirren Gläser, und irgendwo versucht eine junge Frau zu überleben. Ginette, zur Prostitution gezwungen, wird angeworben, um in eine Flüsterkneipe mit Verbindungen zu Al Capone einzudringen. Dort trifft sie George, einen Mann, der ebenso schwer zu fassen ist wie sie, und die beiden geraten in eine Spirale aus Lügen, aufkeimenden Gefühlen und Vortäuschung.

Um diesem historischen Streifzug etwas Würze zu verleihen, leiten die Bundesagenten Izzy Einstein und Moe Smith, die für ihre ebenso absurden wie effektiven Methoden bekannt sind, die Ermittlungen. Sie verleihen der Geschichte einen unwiderstehlichen burlesken Kontrapunkt und einen Hauch von Komik, der den besten Duos im Kino oder Theater würdig ist.

Es dauert nur wenige Sekunden, bis uns die Kollektivtruppe Service Continu die schwüle Atmosphäre des Avignon-Festivals vergessen lässt und uns mit Leib und Seele in die amerikanischen Goldenen Zwanziger versetzt. Dabei ist die Atmosphäre keineswegs bedrückend. Tiefsinnige Momente wechseln sich mit Sketchen dieses Duos ab, die einen Abstecher wert sind: Bryan Schmitt, der mit verblüffender Leichtigkeit von Gatsby zu Al Capone wechselt, und Robin Havard, ein unwahrscheinlicher Churchill und ein überaus glaubwürdiger Mafioso zugleich, geben sich mit beeindruckender Komik gegenseitig die Stichworte, immer treffend, immer überraschend. Ihre Auftritte sind selbst Shows, urkomisch, einfallsreich, unwiderstehlich. Diese beiden sind die Laurel und Hardy des 21. Jahrhunderts, ein burleskes und subtiles Duo, das unserer Meinung nach morgen jede Bühne in Frankreich füllen könnte. Man darf sie gespannt verfolgen.

Ein romantischer Hauch

Doch „That's Prohibition“ bringt nicht nur zum Lachen. Unter dem Glanz der Komödie verbirgt sich die Trauer der Vergessenen, der Mut stimmloser Frauen und die Energie der Anonymen, die von der Geschichte auf der Strecke geblieben sind. Lucie Gaillard, Co-Autorin des Drehbuchs und Regisseurin, verkörpert eine verblüffend akkurate Ginette, die Frechheit, unterdrückte Wut und unverhohlene Zerbrechlichkeit in Einklang bringt. Sie glänzt im Präsens, ohne jemals Emotionen zu erzwingen.

Die Szenen, die sie mit Raphaël Manier, dem Co-Autor des Stücks, teilt, sind entwaffnend zart. Ihr Duett verleiht dem Stück seine menschliche Tiefe: die Begegnung zweier Einsamkeiten, zweier verkleideter Wesen, die sich kennenlernen.

Eine Liebeserklärung an das Live-Theater

Letztendlich ist „Ça, c'est la prohibition“ mehr als eine gelungene Show. Es ist eine Liebeserklärung an die Schauspielerei, an das Kollektiv, an die pure Freude, gemeinsam eine überlebensgroße Geschichte zu erzählen. Es ist anspruchsvolles und populäres Theater, lustig und einfühlsam, das seinen Wunsch zu berühren im wahrsten Sinne des Wortes auslebt.

Ein klarer Favorit, einer dieser seltenen Momente, in denen man die Außenwelt vergisst, in einem Lachen erstarrt, einer gut vorgetragenen Phrase. Ein absolutes Muss und eine, die man langfristig verfolgen sollte: Diese Künstler haben Tatkraft, Ehrgeiz und vor allem jenen seltenen Funken, den wir Talent nennen.

Zögern Sie also nicht länger während dieses Avignon Off Festivals und rennen Sie los, um sie bis zum 20. Juli um 45:26 Uhr im Théâtre du Centre zu sehen.