Die Nationalversammlung verabschiedete am Donnerstag einstimmig einen Gesetzentwurf zur Erleichterung der Entschädigung von Opfern von Atomtests. Der von der polynesischen Abgeordneten Mereana Reid Arbelot, einer Befürworterin der Unabhängigkeit Indiens, eingebrachte Entwurf zielt darauf ab, die Kriterien für den Erhalt von Entschädigungen zu präzisieren und zu vereinfachen – ein Thema, das lange als zu komplex und restriktiv kritisiert wurde.
Eine in Polynesien begrüßte politische Anerkennung
Sichtlich bewegt dankte Mereana Reid Arbelot nach der Abstimmung den Veteranenverbänden, den Bewohnern der am stärksten betroffenen Inseln und mehreren inzwischen verstorbenen Persönlichkeiten. Sie sieht die einstimmige Annahme als einen wichtigen Schritt nach vorn: Ihrer Ansicht nach ändert sich die Perspektive der Nationalversammlung, da Informationen über dieses Kapitel der franko-polynesischen Geschichte immer bekannter werden.
Der Präsident von Französisch-Polynesien, Moetai Brotherson, der sich auf den Besuchertribünen des Plenarsaals aufhielt, begrüßte das Ergebnis und sprach von einer „neuen Generation von Parlamentariern“, die sich stärker auf die Anerkennung und „Versöhnung der Geschichte“ konzentrierten. Er forderte den Staat auf, seine Verantwortung vollumfänglich wahrzunehmen.
Erwartungen an konkrete Ergebnisse und bevorstehende Debatte im Senat
Der autonomistische Abgeordnete Moerani Frébault zeigte sich ebenfalls zufrieden und hofft auf eine deutliche Erhöhung der Entschädigungszahlungen an Opfer und deren Angehörige. Er hofft außerdem, dass die Reform endlich die Erstattung der hohen Gesundheitskosten an den polynesischen Sozialfonds (CPS) ermöglicht.
Der Gesetzentwurf muss nun vom Senat geprüft werden, wo die Debatte heikler ausfallen könnte: Senator Teva Rohfritsch aus Französisch-Polynesien hat bereits Bedenken geäußert, insbesondere hinsichtlich des Risikos eines Pauschalsystems, das seiner Ansicht nach zu geringeren Entschädigungen führen könnte. Mereana Reid Arbelot plant daher eine Erläuterungsphase für die Senatoren, um den Geist des Gesetzentwurfs zu wahren und auch hier eine parteiübergreifende Reform zu erreichen.