Im Museum der Schönen Künste in Blois wurde eine Seite aus Archimedes' berühmtem Manuskript gefunden.
Im Museum der Schönen Künste in Blois wurde eine Seite aus Archimedes' berühmtem Manuskript gefunden.

Eine Seite des berühmten Archimedes-Palimpsests, die lange als verschollen galt, wurde in den Sammlungen des Kunstmuseums Blois identifiziert. Die Entdeckung machte der CNRS-Forscher Victor Gysembergh; die Forschungsorganisation gab sie am 9. März bekannt.

Laut CNRS bestätigen erste Analysen, dass es sich um Blatt 123 dieser alten Handschrift handelt. Sie enthält einen Auszug aus der Abhandlung „Über Kugel und Zylinder“, einem der Hauptwerke des griechischen Mathematikers Archimedes.

Ein Fragment eines außergewöhnlichen antiken Manuskripts

Das Archimedes-Palimpsest ist eine griechische Handschrift aus dem 10. Jahrhundert, die mehrere Abhandlungen des Gelehrten aus Syrakus enthält, eines der bedeutendsten Mathematiker der Antike. Im Mittelalter wurde ein Teil des Originaltextes gelöscht, um das damals teure Pergament für weitere Schriften wiederzuverwenden.

Diese Vorgehensweise erklärt, warum der Originaltext heute schwer lesbar ist. Auf dem in Blois gefundenen Blatt zeigt eine Seite noch geometrische Figuren und eine Passage aus Archimedes’ Abhandlung, während die andere Seite mit einer im 20. Jahrhundert hinzugefügten Illustration überdeckt ist, die den Propheten Daniel, umgeben von zwei Löwen, darstellt.

Die Identifizierung wurde durch alte Fotografien ermöglicht.

Um die Seite zu identifizieren, verglich Victor Gysembergh sie mit Fotografien, die 1906 von dem dänischen Hellenisten Johan Ludvig Heiberg aufgenommen worden waren. Diese historischen Fotografien, die in der Königlichen Bibliothek von Dänemark aufbewahrt werden, hatten es ermöglicht, das Manuskript vor seiner Zerstreuung zu dokumentieren.

Dieser Vergleich ermöglichte es, die Herkunft des Blattes, das zu den fehlenden Seiten des Palimpsests gehörte, zweifelsfrei zu bestätigen.

Hin zu neuen wissenschaftlichen Analysen

Archimedes' Palimpsest befindet sich heute im Walters Art Museum in Baltimore, USA. Anfang der 2000er Jahre hatte eine multispektrale Bildgebungskampagne bereits mehrere zuvor unsichtbare Texte sichtbar gemacht.

Das in Blois gefundene Blatt könnte nun weiteren Analysen unterzogen werden. Der Forscher erwägt Untersuchungen mittels Multispektralbildgebung und Röntgenfluoreszenz, um die noch unter der Beleuchtung verborgenen Bereiche zu entschlüsseln.

Diese Entdeckung weckt auch die Hoffnung, die beiden anderen noch fehlenden Seiten des Manuskripts zu finden, und könnte zu einem besseren Verständnis des Werkes des griechischen Gelehrten mehr als zwei Jahrtausende nach dessen Entstehung beitragen.