Tod des israelischen Künstlers Yaacov Agam, Pionier der kinetischen Kunst
Tod des israelischen Künstlers Yaacov Agam, Pionier der kinetischen Kunst

Der israelische Künstler Yaacov Agam, eine bedeutende Persönlichkeit der zeitgenössischen Kunst und Begründer einer auf Bewegung und Wahrnehmung basierenden Bildsprache, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Dies gab der Bürgermeister seiner Heimatstadt Rishon LeZion am Sonntag, dem 21. Juni, bekannt. Nur wenige Wochen zuvor war ihm der Israel-Preis 2026 in der Kategorie Bildende Kunst verliehen worden, der sein internationales Schaffen in Israel, der Schweiz und insbesondere Frankreich würdigte.

Der Mann, der das Sehen in ein künstlerisches Erlebnis verwandelte

Geboren 1928 als Yaacov Gibstein im britischen Mandatsgebiet Palästina, wuchs Agam in einem Umfeld auf, das stark von jüdischer Tradition geprägt war: Sein Vater war Rabbiner und Kabbalist. Nach seinem Studium in Jerusalem und Zürich ließ er sich Anfang der 1950er-Jahre in Paris nieder und entwickelte einen einzigartigen künstlerischen Stil, der ihm Ruhm einbringen sollte.

Als einer der Pioniere der kinetischen Kunst schafft er Werke, die sich je nach Blickwinkel des Betrachters verändern und die Idee der Bewegung aufgreifen, ohne sich dabei physisch zu bewegen. Seine Arbeiten brechen mit dem Konzept des statischen Kunstwerks und machen den Blick zum zentralen Element des Schaffensprozesses.

Dieser Ansatz öffnete ihm die Türen zu bedeutenden internationalen Institutionen: Seine Werke wurden im Museum of Modern Art in New York, im Guggenheim-Museum und im Centre Pompidou ausgestellt. In Frankreich schuf er insbesondere den Salon Agam, der 1974 für den Élysée-Palast in Auftrag gegeben wurde und heute im Centre Pompidou zu sehen ist. Laut dem Pariser Museum sind seine monumentalen Werke auch in Tel Aviv, La Défense, Cleveland und Leverkusen zu sehen.

Ein Werk, das von Wandel und Kreativität geprägt ist

Neben seinen Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum vertrat Yaacov Agam eine Kunstphilosophie, die tief in Bewegung und Erneuerung verwurzelt war. Anlässlich der Verleihung des Israel-Preises im April 2026 erklärte er: „Kreativität ist das Fundament des Judentums“ – ein Gedanke, der sein gesamtes Werk durchdrang.

In einem Interview, das er 2020 dem Centre Pompidou gab, erklärte er außerdem, dass das Bild seine einzig wahre Sprache sei, da der Blick ihm Zugang zu einer Form der Wahrheit ermögliche, die tiefer gehe als Worte.

Nach Bekanntwerden seines Todes würdigte ihn der israelische Präsident Isaac Herzog auf X und lobte einen Künstler, der der Welt „eine einzigartige künstlerische Sprache aus Bewegung, Wandel und Erneuerung“ geschenkt habe. Sein Vermächtnis ist nach wie vor mit einer einfachen, aber revolutionären Idee verbunden: Ein Kunstwerk existiert nie genau gleich, je nachdem, wer es betrachtet.

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