Das Nationale Zentrum für Film und Bewegtbild (CNC) hat seinen Förderfonds für Social-Media-Inhalte „bis auf Weiteres“ ausgesetzt, nur wenige Stunden vor dessen offiziellem Start beim Frames Festival in Avignon. Diese abrupte Entscheidung erfolgte inmitten zunehmender Spannungen um das Programm zur Unterstützung von Online-Content-Erstellern. CNC-Präsident Gaëtan Bruel bezeichnete die Situation in einer Stellungnahme als „beispiellos in ihrem Ausmaß an Aggression“. Laut AFP seien sowohl Mitglieder des Vergabekomitees als auch Mitarbeiter der Institution bedroht worden.
Eine politische Kontroverse, die außer Kontrolle geraten ist
Dieser neue Fonds sollte das 2017 gegründete CNC-Talentprogramm ersetzen und verfügte laut AFP über ein erhöhtes Budget von 3 Millionen Euro pro Jahr (zuvor 2 Millionen Euro). Ziel war die Förderung von Projekten, die über soziale Medien verbreitet werden, wobei Inhalte mit Bezug zu politischen Nachrichten ausgeschlossen und der Fokus auf Werke mit künstlerischem oder kulturellem Wert gelegt werden sollte. Seit mehreren Wochen ist dieser Fonds jedoch Ziel anhaltender Angriffe von rechts und rechtsextrem, insbesondere in den sozialen Medien.
Die Kontroverse begann mit Äußerungen der Streamerin Ultia, die kurzzeitig in die Kommission berufen wurde, die für die Vergabe dieser Fördergelder zuständig war. Während eines Twitch-Livestreams erklärte sie, dass sie Projekte von Personen, die sie bewundere, eher unterstützen und Anträge, die gezielt von der extremen Rechten eingereicht würden, ablehnen würde. Laut AFP wurde sie vom CNC (Nationales Zentrum für Film und Bewegtbild) noch vor Antritt ihres Amtes unter Berufung auf die Prinzipien der Unparteilichkeit und Neutralität umgehend entlassen. Doch die Kontroverse war damit nicht beendet, sondern eskalierte weiter und machte laut Gaëtan Bruel letztlich jede ruhige Beratung unmöglich.
Eine Entscheidung mit unmittelbaren Konsequenzen für die Urheber.
Die Aussetzung des Fonds löste umgehend heftige Reaktionen in der Branche aus. Der Verband der Influencer und Content Creator prangerte gegenüber der AFP an, dies sei „ein schwerer Rückschlag für viele Content Creator, die auf Fördermittel angewiesen sind, um ihre Projekte weiterzuentwickeln“. Abgesehen von der politischen Auseinandersetzung ist es tatsächlich ein ganzer Bereich der digitalen Kreativwirtschaft, der sich in einem Umfeld geschwächt sieht, in dem die Finanzierung weiterhin knapp und oft unsicher ist.
Dieser Fall verdeutlicht auch den wachsenden Druck auf Kulturinstitutionen im digitalen Raum. Das CNC hat diesen Fonds nicht abgeschafft, sondern ihn angesichts des zunehmend instabilen Klimas eingefroren. Doch dieser Rückzug stellt bereits einen symbolischen Sieg für die Kritiker dar und eröffnet ein neues Kapitel in den Spannungen um die öffentliche Förderung von Online-Produktionen.
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