Bis Sonntag, den 12. Juli, ist im Garten des Rodin-Museums in der Rue de Varenne in Paris die Ausstellung „Grammatik der Formen“ zu sehen. Dior präsentiert sie im Anschluss an die Haute-Couture-Show Herbst/Winter 2026/27 am 6. Juli. Ziel ist es, dem Publikum die Kreationen von Jonathan Anderson, dem 2025 ernannten künstlerischen Leiter, näherzubringen. Er ist der erste Designer seit Christian Dior, der gleichzeitig alle drei Linien des Hauses, einschließlich der Haute Couture, verantwortet. Die Ausstellung ist täglich von 10:00 bis 17:30 Uhr geöffnet und bietet darüber hinaus Schulführungen und öffentliche Vorträge an, um, so Dior, „neue Zielgruppen für die Haute Couture als Kunst und Handwerk zu begeistern“.
Lynda Benglis, eine Figur des amerikanischen Postminimalismus, im Dialog mit der Haute Couture
Für diese Kollektion ließ sich Jonathan Anderson von Lynda Benglis inspirieren, einer amerikanischen Künstlerin und einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der New Yorker Kunstszene seit den 1960er-Jahren. Bekannt ist sie für ihre „eingefrorenen Gesten“: Skulpturen aus Bronze, Latex, Schaumstoff, Wachs, Glitzer oder Blattgold, die die Materie in ihrer Bewegung einzufrieren scheinen. Die Szenografie des im Garten errichteten Pavillons ist von den beiden Orten inspiriert, an denen die Künstlerin lebte und arbeitete (Gujarat in Indien und Santa Fe in New Mexico). Palmen, Schatten und ein mit schwarzem Latex bedeckter Boden prägen das Bild. Mehrere Werke von Benglis werden erstmals in Frankreich ausgestellt, darunter „Kissel“ (1985), das als Vorlage für das silberne Plisseekleid diente, das Model Mona Tougaard während der Show trug. Die Dior-Werkstätten übersetzten die organischen Formen der Künstlerin in dreidimensionale Kleidungsstücke, die durch Knüpfen, Plissee und Formen entstanden. Ihre Oberflächen sind mit feinen Stickereien verziert, die an die für Benglis so typischen Effekte von Farbe und Pailletten erinnern.
Jonathan Anderson, die Tradition des indischen Chintz und die Architektur der Kleidung nach Christian Dior
Für diese Kollektion recherchierte Jonathan Anderson auch indisches Kunsthandwerk, insbesondere die Tradition des Chintz aus dem 18. Jahrhundert – ein fein gewebter Baumwollstoff, der die Modegeschichte weit über Indiens Grenzen hinaus geprägt hat. Dieser architektonische Ansatz bei der Kleidung erinnert an den Ansatz des Gründers des Modehauses, Christian Dior, der mit seinem New Look von 1947 eine Art innere Struktur (Rahmen und Polsterung) entwarf, um die Silhouette zu formen, und seine Linien anschließend wie ein Architekt benannte: Zig-Zag, Tulpe, A oder H.
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