Die Gedenkfeier zum 100. Todestag von Claude Monet beginnt dort, wo sich sein Leben von Grund auf veränderte: in Giverny. Mit der Ausstellung „Vor den Seerosen: Monet entdeckt Giverny, 1883–1890“ rückt das Musée des Impressionnismes nicht seine letzten Meisterwerke in den Fokus, sondern die Jahre des Einlebens, Beobachtens und Entwickelns, die das Seerosen-Abenteuer erst ermöglichten. Es ist ein sehr passender Ansatz, sich Monet von seinen Anfängen an zu nähern, in dem Moment, als der Maler ein Gebiet entdeckte, das nach und nach zum Zentrum seines Lebens und Schaffens werden sollte.
Die Jahre, in denen Monet Giverny zähmte
Als Claude Monet sich 1883 in Giverny niederließ, war er 43 Jahre alt und ahnte noch nicht, dass er die letzten 43 Jahre seines Lebens dort verbringen würde. Diese Zeitspanne, die die Ausstellung treffend beleuchtet, ist eine Zeit der allmählichen Verwurzelung. Der Künstler, lange ein Nomade gewesen, fand endlich einen festen Platz. Dort verfeinerte er seinen Blick, veränderte seine Malweise und begann, mit neuer Aufmerksamkeit seine unmittelbare Umgebung zu erkunden: die Hügel, die Wege, die Felder, die Pappeln, die Epte, die Seine, die Heuhaufen, den Nebel, den Regen.
Genau darum geht es in dieser Ausstellung: einen Monet vor seinen ikonischen Werken zu zeigen. Vor den weiten Wasserflächen und den beinahe abstrakten Gartenvisionen sieht man einen Maler, der sich auf die Landschaft einlässt. Er beherrscht sie noch nicht; er entdeckt sie, erprobt sie, wiederholt sie, betrachtet sie eingehend zu verschiedenen Tageszeiten und in unterschiedlichem Licht. Die Ausstellung folgt genau dieser langsamen Annäherung, als ob Monets Blick Giverny erst einmal in sich aufnehmen müsste, bevor er es zu seiner Welt erschaffe.
Eine Ausstellung, die Licht auf die Entstehung einer Obsession wirft
Die rund dreißig zusammengetragenen Werke lassen uns beinahe in Echtzeit die Entstehung dessen miterleben, was zu seiner großen Obsession werden sollte: das Verhältnis von Wasser, Licht, Vegetation und ihren unendlichen Variationen. Einige Leinwände zeigen bereits Wasserspiegelungen, Reflexionen und dichte Baum- und Laubwerke, die den späteren Teich subtil, aber deutlich andeuten. Dem Betrachter wird so klar, dass die Seerosen nicht plötzlich entstanden sind: Sie sind das Ergebnis jahrelanger Beobachtung, Experimente und einer tiefen Verbundenheit mit diesem Ort.
Die Entscheidung, die Eröffnung zum hundertjährigen Jubiläum dieser Entstehungsphase zu widmen, ist besonders inspiriert. Anstatt den gefeierten Monet erneut auszustellen, zeigt das Museum Monet im Prozess seiner Entwicklung. Und in Giverny entfaltet dieser Ansatz eine besondere Kraft: Die Gemälde kehren gewissermaßen an die Orte ihrer Entstehung zurück. Dies verleiht der gesamten Ausstellung eine einzigartige, fast instinktive, emotionale Wirkung. Wir betrachten nicht länger nur bedeutende Werke des Impressionismus; wir werden Zeugen der Geburt einer inneren Welt.
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