Pyrenäen: 108 Bären gezählt, die Population nimmt zu, doch die Schatten der Inzucht schweben über uns.
Pyrenäen: 108 Bären gezählt, die Population nimmt zu, doch die Schatten der Inzucht schweben über uns.

Zunächst eine bemerkenswerte Zahl: Laut dem Jahresbericht des französischen Amtes für Biodiversität, der am Donnerstag, dem 26. März, veröffentlicht wurde, werden bis 2025 voraussichtlich mindestens 108 Braunbären im Pyrenäengebirge gesichtet. Das ist einer mehr als im Jahr 2024, und der langfristige Trend zeigt weiterhin nach oben, mit einer geschätzten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von +11,53 % zwischen 2006 und 2024.

Das Monitoring basiert auf etablierten Methoden, darunter die genetische Analyse von Haar- und Kotproben. Im Jahr 2024 wurden mindestens sechs Würfe mit insgesamt acht Jungtieren gezählt. Dieser Anstieg ist kein Zufall: Er ist die Fortsetzung der Wiederansiedlungsbemühungen, die in den 1990er-Jahren mit der Einführung von Bären aus Slowenien nach dem Zusammenbruch der lokalen Population begannen.

Ein digitaler Erfolg, eine genetische Schwäche

Doch hinter dem positiven Trend verbirgt sich eine weniger beruhigende Warnung: Die genetische Vielfalt nimmt ab und Inzucht zu. Das französische Amt für Biodiversität (OFB) spricht von „geringer genetischer Vielfalt“ und betont, dass erste Ergebnisse einer staatlich in Auftrag gegebenen Studie bereits in den frühesten Lebensphasen negative Auswirkungen belegen: kleinere Würfe, geringere Ausbreitung und niedrigere Überlebensraten bei Jungtieren von Müttern mit dem höchsten Inzuchtanteil.

Vor Ort bleibt die Lage angespannt: Rinder- und Schafzüchter beklagen die sommerlichen Raubtierangriffe, wenn ihre Herden auf die Hochweiden getrieben werden, während Bärenschutzvereine die fehlenden Entscheidungen bezüglich neuer Auswilderungen bedauern. Einer dieser Vereine, Pays de l'Ours-Adet, bezeichnet die Population aufgrund einer zu geringen Anzahl von Gründertieren als „genetisch gefährdet“. Die Art ist trotz eines leichten Rückgangs ihres Verbreitungsgebiets in den letzten zwei Jahren weiterhin präsent, und die vollständigen Ergebnisse der staatlichen Studie werden bis Ende des Jahres erwartet – ein entscheidender Zeitpunkt, um festzustellen, ob die Pyrenäenbärenpopulation auf einer soliden Grundlage wächst oder sich in einem fragilen Gleichgewicht befindet.

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