Linsen, die lange Zeit in den nördlichen Ebenen fehlten, gewinnen dort nun an Bedeutung. In Marly, nahe Valenciennes, hat die Landwirtin Cécile Fléchel beschlossen, diese Hülsenfrucht auf ihrem 130 Hektar großen Hof anzubauen, der zuvor hauptsächlich mit Weizen und Kartoffeln bewirtschaftet wurde. Angesichts ausgelaugter Böden und der Notwendigkeit, die Fruchtfolge zu verlängern, testete sie diese Kulturpflanze, die für ihre Eignung für karge Böden bekannt ist.
Ermutigt durch ihre Genossenschaft, die erfolgreiche Versuche durchgeführt hatte, bestellte sie 2024 fünf Hektar mit Linsen. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen; der Ertrag lag über dem nationalen Durchschnitt. Linsen bieten mehrere agronomische Vorteile: Sie binden Stickstoff aus der Luft, reduzieren den Düngemittelbedarf und verbessern die Wachstumsbedingungen für nachfolgende Getreidekulturen.
Ein nach wie vor fragiler Sektor
Der Linsenboom in der Region basiert auf einer Partnerschaft zwischen der Genossenschaft Unéal und dem Industriellen Vivien Paille, die einen vertraglich gesicherten Absatz garantiert. Die ersten Ernten wurden zu attraktiven Preisen verkauft, doch diese sind aufgrund der reichhaltigen kanadischen und indischen Produktion, die den Weltmarkt stark beeinflusst, gesunken.
Innerhalb von drei Jahren ist die französische Linsenproduktion um mehr als 50 % gestiegen und erreicht nun fast 55.000 Tonnen pro Jahr. Frankreich ist jedoch weiterhin auf Importe angewiesen, da der Inlandsverbrauch etwa doppelt so hoch ist wie die Produktion. Für die Landwirte hängt der weitere Linsenanbau daher von seiner Wirtschaftlichkeit ab. Linsen gelten zwar als bodenschonend und klimaresistenter, doch ihre Nachhaltigkeit hängt auch davon ab, ob der Markt französische Linsen wertschätzt, die oft teurer sind als ausländische Produkte.